Wie sinnvoll sind Facebook “gefällt mir” Zahlen?
21 Feb
Mir ist gerade etwas aufgefallen, was mich an der Sinnhaftigkeit der Anzahl an “likes” oder bei uns “gefällt mir” bei Facebook-Seiten zweifeln lässt. Aktueller Anlass ist für mich die Seite http://www.facebook.com/ProGuttenberg, welche in kürzester Zeit auf 135.000 “Fans” gekommen ist. Wenn ich mir die Posts an der Pinnwand oder die Kommentare so durchlese, sehe ich da aber auch einige Gegner der Seite und ich hätte mich am liebsten auch zu dem Thema geäußert. Aber um sich an der Diskussion beteiligen zu können, muss man die Seite erst vorher “liken”. Für mich verfälscht das aber geradezu die Sinnhaftigkeit dieser Zahl. In jedem Medienartikel wird darauf verwiesen, dass die Guttenberg-Verteidiger jetzt schon X Anhänger auf Facebook haben.
Sicherlich ist die Zahl ein Indiz dafür, wie aufmerksamkeitsstark und kontrovers ein Thema ist, aber man kann nicht die Anzahl an Unterstützern für ein Thema daran ablesen und darum halte ich das Wording für irreführend. Ähnliches ist mir auch zu Zeiten der Wikileaks-Aktion aufgefallen, als viele Leute kurzzeitig Fan von Paypal wurden, um dann einen Kommentar schreiben zu können.
Wie könnte man das besser machen? Indem man Kommentare und Beiträge auch von Nicht-Fans zulässt? Das würde wahrscheinlich Klarheit über die wahre Anzahl an Fans geben, andererseits wäre das wohl meist nicht im Sinne desjenigen, der die Seite anlegt. Denn der will ja eine hohe Anzahl an Fans.
Das Wording ändern? Vielleicht ist das ein Ansatz, der Wechsel von “Fan werden” zu “gefällt mir” ist ja schon ein Schritt in diese Richtung geworden. Dies hätte aber zur Folge, dass Unternehmen keinen Aufschluss mehr über die Anzahl ihrer “Fans” haben, ob echt oder nicht sei mal dahingestellt. Dies hätte zur Folge, dass man evtl. zwei Arten der Teilnahme äußern müsste – “gefällt mir” und “beschäftigt mich” – oder so. Das verkompliziert das Ganze wieder und ist aus Nutzersicht nicht ratsam.
Tja, man sieht, so einfach ist das nicht. Was denkt Ihr denn so?
PS: Da ich nicht auf “gefällt mir” klicken wollte, will ich hier ganz kurz die Frage stellen, die ich auf der ProGuttenberg-Seite gerne gestellt hätte: “Hallo liebe Unterstützer von Guttenberg, seid Ihr wirklich der Meinung, dass hier übertrieben wird, was das Fehlverhalten von Guttenberg betrifft? Im Klartext – haltet Ihr das seitenweise Kopieren von Inhalten und sogar die Nutzung des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags für ein Kavaliersdelikt, eine Kleinigkeit à la “jeder hat schon mal abgeschrieben”? Und was die mediale Hetze betrifft, dann schaut mal, wie so eine “Hetze” aussieht, wenn die Bild-Zeitung mit am Start ist.”









Es muss doch nicht immer Facebook sein. Für kontroverse Diskussionen gibt es Blogs und Foren.
Wenn du wissen willst, wie Guttenberg-Fans ticken, musst du nur auf seine eigene Facebook-Seite gehen. Da überschlagen sich die Verbindungsbrüder und -schwestern nur so vor Solidarität.
http://www.facebook.com/zuGuttenberg
@ Marvis – dann warte ich mal bis sich die Guttis hier hin verirren
@ Marian und Marius – wie die Gutti-Fans ticken, sieht man auf beiden Seiten. Manche “argumentieren” in einer Art und Weise, die einen fast schon verängstigen muss. Die Hürde “gefällt mir” zu drücken war mir aber dann zu hoch, um dort was zu entgegnen. Erst so bin ich ja in den Gedankengang gekommen, dass die Aussagekraft der “gefällt mir” Zahl auf der ProGuttenberg-Seite nicht korrekt sein kann. Und da will man halt am liebsten an Ort und Stelle in die Diskussion einsteigen und nicht diese verlagern…
Ganz klar sinnlos in der Realitaet (fuer diejenigen die Nutzen aus den Zahlen finden natuerlich sehr sinnvoll, da die Realitaet sowieso irrelevant ist). Weniger bei Fan-seiten, ganz stark zu sehen bei Diskussion-anregenden Seiten. Fraglos problematisch, da es nicht nur schwachsinnige Statistiken darstellt, aber vor allem einseitige Diskussion erzwingt.
Zugleich kann ich mir vorstellen dass sich die Zahlen im Schnitt auch oft relativieren. (Jemand der bereit ist Fan von etwas zu werden um in der Diskussion teilzuhaben, ist wahrscheinlich auch Fan von der Gegenseite?)
Besser machen?
Soll ein einziger allgemein-Button erhalten bleiben, waere ein “follow” button wahrscheinlich sinnvoller.
Eine andere Moeglichkeit waere Facebookseiten klarer zu kategorisieren und dementsprechend den “like” Button anzupassen.
Fan-seiten = like button
Diskussions-seiten = follow button
Petition (dafuer oder dagegen) = support button
(Wobei wenn ich mich richtig erinnere waren FB-seiten mal mehr in diese Richtung gestaltet und haben sich im letzten Jahr davon entfernt)
@marvis: stimmt, muss auch nicht immer Internet sein. Gibt auch Zeitungen und Leserbriefe
Facebook-Seiten klarer zu kategorisieren ist m.E. kein schlechter Ansatz, aber schwer umzusetzen. Wie viele Leute legen schon “normale” Profile an, obwohl sie lieber eine Facebook-Seite anlegen wollten? Die Unterscheidung fällt da glaub schwer.
Follow find ich nicht schlecht. Hört sich für die Unternehmen immer noch ähnlich an wie Fans.
Aber wahrscheinlich ist der Ansatz tatsächlich, Diskussionen an anderer Stelle zu führen. Mich regt das nur immer auf, dass auf solchen Seiten dann kaum “Entgegnungen” zu finden sind und sich die “Fans” alle gegenseitig beglückwünschen zu ihrer Meinung.